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26.4.2017

Dexodus

MARTIN unser, der du bist ... Hätte die Weltgemeinschaft frühzeitig eingreifen müssen, um es nicht zum Äußersten kommen zu lassen? Zu diesem Zweck wurden schließlich nach dem 2. Weltkrieg die Vereinten Nationen gegründet. Auch die Europäische Union versagte auf ganzer Linie, weil ihre Regeln für solch abweichendes Verhalten keine Gegenmaßnahmen vorsehen. „Es wird schon nicht so schlimm werden. Es sind ja nicht alle Deutschen so. Die Mehrheit ist doch immer noch vernünftig und nicht diesem Wahnsinn verfallen.“ Das war leider eine fatale Fehleinschätzung dessen, was sich in Deutschland entwickelte. Jetzt, da es zu spät ist, wird offenbar, wohin diese Beschwichtigungspolitik geführt hat: Die Deutschen als Volk existieren nicht mehr, sie sind verstreut in alle Winde, heimatlos von nun an und verloren in der Welt, für immer traumatisiert, halten sie sich von menschlicher Gemeinschaft fern, Nischenwesen fürderhin, und fristen den Rest ihres verdorrten Daseins in Elend und Einsamkeit. Deutschland ist entvölkert - durch den Schuther-Effekt.

1. Januar 2017: Beginn der Martin-Luther-Festspiele, 500 Jahre Reformation. Das interessiert zwar kaum jemanden, aber darauf kann die EKD in ihrem machtpolitischen Eifer keine Rücksicht nehmen. 29. Januar 2017, die nächste Eskalationsstufe: Ein gewisser Martin Schulz wird zum Kanzlerkandidaten gekürt. Das interessiert zwar kaum jemanden, aber darauf kann die SPD in ihrem missionarischen Eifer keine Rücksicht nehmen. Jetzt oder nie, alles oder nichts, das wird gnadenlos durchgezogen, auf Gedeih und Verderb, ohne Rücksicht auf Verluste, Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht! Was sich von nun an ereignete, war so entsetzlich, dass es jegliches Vorstellungsvermögen sprengt:

Deutschland ging unter in einer kirchturmhohen Flutwelle aus Schulz-Luther-Bildern, Schulz-Luther-Sendungen, Schulz-Luther-Artikeln, Schulz-Luther-Veranstaltungen, Schulz-Luther-Büchern, Schulz-Luther-Geschwafel, es fehlte nur der Bravo-Starschnitt. Die Medien quollen über von einem unsäglichen Morast aus Schulz und Luther, kein Winkel, keine Sekunde ohne Schulz­luther­luther­schulz­luscher­sulz­lulz­schullu­luschu­schluther­luthscher, den Deutschen drohte der Kopf zu platzen, allgegenwärtig und unaufhörlich, grauenhafter als die apokalyptischen Reiter, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer zusammen, es gab keine Rettung, kein Entrinnen, es war die Hölle auf Erden. Allüberall, landauf, landab war die Luft erfüllt von gellenden Schreien der gemarterten Deutschen, begleitet von irrwitzigem Gelächter und verzweifeltem Schluchzen: „Reformation Gerechtigkeit Schulz Luther gerechte Reformation reformierte Gerechtigkeit! Weiche von mir, Martinus!“. Eine klebrige, zähe, undurchdringliche, infektiöse Schulz-Luther-Schleimschicht begrub Deutschland unter sich, wie ein nicht enden wollender Lavastrom, und erstickte alles. Eher wäre es möglich, sich in Saudi-Arabien öffentlich vom Islam loszusagen, als in Deutschland dem omnipräsenten MARTIN zu entkommen. MARTIN fraß sich in die Gehirne wie eine Creutzfeldt-Jakob-Attacke, okkupierte die Gedanken und Gefühle, wurde zur ersten und einzigen Realität, hämmerte unablässig auf die Deutschen ein: „Wir sind DER MARTIN! Ihr sollt keinen anderen Martin neben uns haben!“ Konnte es da noch ein Leben nach dem MARTIN geben? Ausgeschlossen. So blieb den Deutschen nur eines: Flucht! Raus aus Deutschland, dessen böses Schicksal sich nun erfüllte. Egal wohin, je weiter weg, desto lieber, wenn es denn bloß MARTIN-kontaminationsfreie Zone war. Viele gingen gleich auf Nummer Sicher und flehten um Asyl in Nordkorea und im Islamischen Staat. Wieder andere - wissend, dass die Welt ein Dorf ist und die Globalisierung nichts und niemanden verschont - versuchten gar nicht erst, zu fliehen, sondern sahen ihren einzigen Ausweg darin, endgültig Schluss zu machen: Sie versenkten sich in den finsteren Fluten von Ost-, Nord- und Bodensee, stürzten sich vom Gipfel der Zugspitze in den Abgrund und ließen sich von niederländischen Wohnwagenkolonnen überrollen.

Doch selbst wenn die Deutschen unverdrossen ausgeharrt hätten, wären sie längerfristig doch ausgestorben, denn sie hätten sich nicht mehr fortpflanzen können: Der Schuther-Effekt (von Witzbolden Schuther-Defekt genannt) erzeugte obendrein Impotenz und Frigidität. Kein Wunder - beim Anblick dieser beiden Gestalten vergeht einem wirklich alles. Jeder für sich ist schon unerträglich, aber in Kombination bilden sie eine höchst toxische Mischung, die kein Mensch überstehen kann. Der eine mit dem stumpfsinnigen Gesichtsausdruck eines alkoholisierten Hornochsen; der andere ein penetrantes schmuddelbärtiges, froschlippiges Dauergrinsen, die Fortsetzung von Alfred E. Neumann mit anderen Mitteln.

Die einzigen, die beherzt versuchten, die Deutschen vom Schuther-Effekt zu kurieren, waren die GenossenInnen*innen_innen der PDS: Mittels marxistisch-dialektischer Gesellschaftsanalyse fanden sie heraus, dass der Schuther-Effekt das zwangsläufige Ergebnis des Kapitalismus ist, der die unterdrückten werktätigen Massen zu dekadenten Weichlingen degenerieren lässt. In der DDR hätte es das nicht gegeben: Dort hatten die Menschen - allesamt allseitig entwickelte sozialistische Persönlichkeiten - 44 Jahre Personenkult unbeschadet durchgestanden. Man denke nur an die legendäre Ausgabe des Neuen Deutschland vom 16.3.1987, worin Erich Honecker insgesamt 43-mal abgebildet war. Dennoch waren die vom real existierenden Sozialismus gestählten DDR-Bürger (fast alle) geblieben. Die PDS war naturgemäß als Wunderheilerin prädestiniert, denn zwischen ihr und den Auslösern des Schuther-Effekts bestanden innige Beziehungen: Martin Luther galt der SED als historischer Vorläufer in ihrem Geiste. Das ist plausibel, denn auch Luther war autoritär, obrigkeitlich strukturiert, militaristisch und voller Verachtung für das gemeine Volk, den „Pöbel“. Die geradlinige Kontinuität bis zum Kommunismus ist evident: 400 Jahre nach Luthers Geburt starb Karl Marx, 400 Jahre nach dem Anpfiff der Reformation wurde die russische Revolution ausgetragen. Martin Schulz wiederum nahm sich Walter Ulbricht, Erich Honecker und Egon Krenz zum Vorbild: Die beiden Ersteren hatten es nur mit Volksschulabschluss bis zum Diktator gebracht; Letzterer hatte im Sinne der Chancengleicheit bewiesen, dass auch Eintagsfliegen und Versager in die Geschichte eingehen können. Nun griff die PDS zu einer Brachialtherapie gegen den Schuther-Effekt: Auf Plakaten, im Fernsehen, in Zeitungen und sozialen Netzwerken, per WhatsApp und Twitter überschwemmte sie die Republik mit Bildern von Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi. Durch deren Anblick sollte den Deutschen die Kraft des Sozialismus eingeflößt werden, doch genau das Gegenteil war die Folge: Eine verheerende Vomitus-Epidemie brach aus und trieb die Deutschen endgültig außer Landes.

Als Würdigung seines tragischen Schicksals wird dem deutschen Volk in Abwesenheit der Große Verdienstorden am Bande des Club of Rome für vorbildliches volkswirtschaftliches und demografisches Nullwachstum verliehen.

Die UN werden nun doch noch tätig und gründen eine Treuhandgesellschaft, welche die Grundstücksverwertung abwickelt. Die unbewohnte Freifläche, die ehemals Deutschland war, wird an die Meistbietenden versteigert: Die US-Regierung kauft Westdeutschland, um Guantanamo zu entlasten. Die russische Regierung kauft Ostdeutschland, um Sibirien zu entlasten, verweigert jedoch die Zahlung mit der Begründung, es habe eine Volksabstimmung stattgefunden. Die türkische Regierung kauft die Orte Ziegendorf, Ziegenhagen, Ziegenhain, Ziegenrück und Zickhusen; zu welchem Zweck, ist unklar. So haben alle was von der deutschen Gebietsreform. Das ist gerecht. Solch eine Gelegenheit bietet sich ja nicht jeden Tag. Sondern nur alle 500 Jahre. Gott sei Dank!

PS: Im Gegensatz zu Martin Luther gab es Martin Schulz nicht als Playmobil-Männeken. Das ist ungerecht!

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(27.4.2017)