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Die Dritten werden das Letzte sein

20.10.2013

Hallo, ihr Westdeutschen, ihr könnt euch ja gar nicht mehr einkriegen vor Rührung, und voller Ungeduld und freudiger Erregung fiebert ihr dem großen Tag entgegen. Hach ja, jede zweite Legislaturperiode eine große Koalition ist noch viel schöner als jedes Weihnachten Sissi-Filme: So viel Harmonie und heile Welt, nicht Zank noch Hader, alleweil eitel Freude und Sonnenschein, welch herzergreifende Erhabenheit, solch Glanz und Größe! Wozu überhaupt noch Wahlen? (Frenetischer Beifall bei den Abgeordneten der PDS.) Stattdessen könnte es doch für immer so bleiben: Angela Merkel wird k.u.k Monarchin (Kanzlerin und Kaiserin) auf Lebenszeit. Alle 4 Jahre sucht sie sich ein paar SPD-Franzln als Entourage, die Grünen und die PDS dürfen ab und zu als Hofnarren durchs Bild hüpfen, und es gibt auch ein Schlossgespenst: die längst verblichene, ruhelose FDP. Dereinst wird dann Kronprinzessin Ursula (Adel verpflichtet) die Regentschaft übernehmen, wodurch die Erbfolge fürderhin bestens gesichert ist. So werden wir vor lauter rührseliger Gefühligkeit vergessen (wir wollen es ja ohnehin nicht wahrhaben), warum es denn zu diesem Berliner Schmäh gekommen ist: Weil die PDS durch ihre schiere Anwesenheit im Bundestag zum zweiten Mal eine Staatskrise (ja, das ist es!) verursacht hat, zu deren „Lösung“ zum zweiten Mal eine große Koalition - so ein Kaiserschmarren! - erforderlich ist.

Linksparteigenosse Gregor Gysi erweist sich als Zyniker mephistophelischen Formats, wenn er verlautbart: „Wer hätte das 1990 gedacht, dass diese Partei die drittstärkste politische Kraft der Bundesrepublik Deutschland wird.“ Ja, in der Tat, wer hätte es damals für möglich gehalten, dass die Westdeutschen infolge der Einstaatlichkeit so entwürdigt, dass sie sich dauerhaft im Würgegriff der PDS befinden würden. So viel Einflussnahme auf Westdeutschland, so viel Destabilisierungswucht hätte die PDS, als sie noch SED hieß, sich nicht zu erhoffen gewagt. Es ist unbegreiflich, dass die Westdeutschen all dass klag- und widerstandslos mit sich machen lassen; dass sie es sich bieten lassen, wie SPD und Grüne die PDS hoffähig gemacht haben und nun ohne die geringste Scham eine Koalition auf Bundesebene nicht kategorisch ausschließen; dass viele Medien gedanken- und verantwortungslos die PDS windelweich spülen („Weihnachten bei Wagenknechts“); dass die PDS nicht rigoros bekämpft und ausgegrenzt wird. Warum wird nicht endlich die einzig infrage kommende Konsequenz aus diesem unseligen Kuckucksei gezogen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Aber das darf man natürlich nicht mal denken, geschweige denn aussprechen. Eher darf man im Iran die Existenz Allahs bestreiten als hierzulande die Sinnhaftigkeit und Zukunftsfähigkeit der deutschen Einstaatlichkeit.

Der linksradikale Kraftprotz hat jedoch gleichermaßen unter- wie übertrieben: Die PDS ist nicht die dritt-, sondern die zweitstärkste politische Kraft, aber nicht in ganz Deutschland, sondern nur in Ostdeutschland, woher sie kommt und wohin sie gehört: 22,7 %. In Westdeutschland hingegen hat sie nur 5,6 % - das ist keine Kraft, sondern bloß ein insignifikanter Zufallstreffer, viertplatziert, nur knapp vor den AfD-Provinzlern.

Doch wir wollen die Vergangenheit auf sich beruhen lassen. Und erst recht die Gegenwart. Und schon gar die Zukunft. Viel lieber wollen wir uns einkuscheln in unseren dösenden deutschen Hofburgfrieden, nicht denken, vielmehr träumen, der rauen Realität entrückt wie schlummernde, schnullernde Säuglinge, eingelullt von Mami Merkel. Und in 2 Monaten gibt‘s auch wieder Sissi-Filme. Schöne Bescherung!

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(20.10.2013)