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1. Mai 2002 in Göttingen

01.05.2002

1. Mai, die - zu meiner Schande muss ich's gestehen - erste Maikundgebung meines Lebens, aus akutem Anlass, um ein Zeichen gegen die nazistische Mischpoke auf dem Schützenplatz zu setzen. An dem um 10.30 Uhr am Gewerkschaftshaus beginnenden Demozug nehme ich nicht teil: Ich möchte frühzeitig auf dem Marktplatz vorn an der Rednertribüne stehen, um Diether Dehm gebührend zu begrüßen. Denn am Tag zuvor - mir stockte schier der Atem - las ich im Göttinger Tageblatt, dass die PDS mit einem Redner vertreten sein werde - die PDS, der umbenannte Pitbull-Züchterverein, der mit treuherzigem Augenaufschlag beteuert, seit 09. November 1989, 22.00 Uhr, nur noch Karnickel züchten zu wollen. Wie können die Gewerkschaften sich bloß mit einer antidemokratischen "Partei" wie der PDS gemein machen, zumal bei einer Veranstaltung, die dem Schutz der Demokratie dienen soll?

(Einschub: In der April-Ausgabe der ver.di-Zeitung "Publik" darf ein gewisser Herr Gysi - der breit gescheitelte Medienschnuckel der PDS und infolge widriger Zeitläufte zum Berliner Wirtschaftssenator avanciert - einen Gastkommentar zum Besten geben. In derselben Ausgabe gibts die neueste Folge einer Serie, in der bierernst "Helden der Arbeit" vorgestellt werden. Reale politische Satire - wenn es nicht so traurig wäre ... Ich werde nach fast 25-jähriger Mitgliedschaft verschärft über meinen weiteren Verbleib bei ver.di nachdenken müssen.)

Um 11.00 Uhr ist der Demozug noch nicht eingetroffen. Und wo sind die Promis? Ah ja, da ist Jürgen Trittin, lehnt einsatzbereit neben der Rednertribüne. Später bei seiner Rede kann er den kamerabewussten Bundestagsprofi nicht verleugnen. Einige Minuten später nähert sich der Demozug - und hat etwas Alptraumartiges: Vorne weg mit großkotzigen Fahnen die PDS, dazwischen - und in beunruhigender Nähe - einige jämmerliche ver.di- und IGM-Fähnlein (schließlich ist dies ja eine gewerkschaftliche Veranstaltung). Mit unsäglicher Dummdreistigkeit stolzieren die PDSler herum und beherrschen den Marktplatz. Niemand protestiert, niemand distanziert sich, natürlich nicht: Wer will sich schon erdreisten, das politisch korrekte Wischiwaschikuschelmuschel-Wirgefühl durch Äußerung einer eigenen, gar abweichenden Meinung zu stören?

Zurück zu Diether Dehm aus Franfurt (am Main!): Der ist nicht nur stellvertretender Bundesvorsitzender der PDS, nein, es kommt noch schlimmer: Er ist auch einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Pups-Musik, vorwiegend als Autor und Produzent hinter den Kulissen. In den Siebzigerjahren gab er aber auch selbst - wohlweislich unter dem "Künstler"namen Lerryn - als Liedermacher Laut: so eine Art Heino für Linksliberale mit Abitur, ein unauslöschliches Jugendtrauma. 1996 kamen Vorwürfe auf, er sei als IM "Willy" von 1971 bis 1978 inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen. Daraufhin trat "der Denunziant Dehm", wie es in einem bitteren Gedicht Wolf Biermanns, der eines seiner Opfer gewesen sein soll, heißt, 1998 aus der Frankfurter SPD, deren Ausspitzelung seine Hauptaufgabe gewesen sein soll, aus und rettete sich in die heimelige PDS.

Und dann gehts auch endlich los. Das Beste waren die Trommelgruppe (die krampfhaft auf werktätige Masse getrimmte Kostümierung war jedoch etwas albern) und die als Conférenciers agierenden Kunstfiguren Marlies und Herbert Kloppmann. Es wird kurz vor halb eins, und bislang sind vier Programmpunkte ausgefallen bzw. verschoben. Aber dann wird endlich Diether Dehm ("Heil Diether!", wie der SPIEGEL-Essayist Henryk M. Broder einmal sarkastisch schrieb) angesagt, Diether Dehm, der - Herbert Kloppmann formuliert es vorsichtig - jetzt in der PDS "rummurkst". Flott und aalglatt wirkt er, früher nannte man diesen Typus Salonkommunist. Als er zu seiner Verlautbarung ans Volk anhebt, rufe ich ihm zu: "Nach der NPD ist die PDS an der Reihe!" (und mache eine typische Handbewegung). Für einen Moment ist er irritiert, gegen seine Lautsprecherstimme komme ich jedoch nicht an. Dann gehe ich. Ich fühle mich nicht bemüßigt, dem heuchlerischen Geseire dieses SED-Zombies ("Zweckpazifist", wie Joschka Fischer ihn einmal nannte) zu lauschen und gar brav zu applaudieren. Dies ist eine Frage der persönlichen Würde und des Respekts vor der Republik, die durch die PDS bedroht ist.

Das war's also: Die NPD auf dem Schützenplatz, die PDS auf dem Marktplatz - fürwahr kein schöner 1. Mai (immerhin hat's nicht geregnet).

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(13.08.2005)