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13.4.2017

Nekrolog: Eine kurze Geschichte der SPD

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen! Noch vor Kurzem befand sich die SPD aussichtslos im freien Fall: 20 % und keine Mehrheit in Sicht für das „breite Linksbündnis“ mit PDS und Grünen. Doch im letzten Moment, als alle Hoffnung schon verloren schien und sie am Boden des Abgrunds zu zerschellen drohte, ereignete sich etwas schier Unglaubliches: Superheld Martin Schulz kam wie aus dem Nichts herbeigesaust und fing die SPD in ihrem Sturz auf, um sie zu neuen, ungeahnten Höhenflügen zu tragen und in eine glorreiche Zukunft zu führen (was Gerhard Schröder und Willy Brandt vor Neid erblassen lässt/ließe). Dieser herzergreifende Vorgang erinnert mich an die Kurzgeschichte „Zwischenfall auf der Eulenfluss-Brücke“ von Ambrose Bierce: Im amerikanischen Bürgerkrieg nehmen Nordstaaten-Soldaten einen Südstaatler gefangen und wollen ihn exekutieren. Der Galgen ist errichtet auf einer Eisenbahnbrücke über einem Fluss. Dem Mann wird der Strick um den Hals gelegt, das Brett, worauf er steht, wird weggezogen, da geschieht etwas Wunderbares: Das Henkersseil reißt, der Mann fällt durch die Gleisschwellen in den Fluss und kann sich schwimmend retten. Er schafft es, nach Hause zu gelangen, doch gerade, als er sein Ziel erreicht hat, ist schlagartig alles Dunkelheit und Stille. Das Seil war nicht gerissen, die glückliche Errettung im letzten Moment war nichts weiter als eine rasend schnell ablaufende Halluzination - im Augenblick des Todes.

Ich möchte die Hinrichtung durch den Strang nicht weiter vertiefen (obwohl die SPD-Mitglieder und -Sympathisanten kraft der Schulzeffekthascherei endlich wieder am selben Strang ziehen). So enthalte ich mich der Abwandlung eines Liedes der französischen Revolution (deren nachhaltiges Ergebnis nicht nur der - so Woody Allen - „internationale Tyrann“ Napoleon Bonaparte war, sondern obendrein das antiquierte Links-Rechts-Weltbild): „Ça ira, les gauchistes à la lanterne!“ Stattdessen kommt mir eine andere Kurzgeschichte in den Sinn, „Das Abenteuer des deutschen Studenten“¹ von Washington Irving, eine Allegorie auf den Zustand der SPD unter ihrem künstlich aufgepfropften Ober-Haupt Martin Schulz: Im Paris der französischen Revolution begegnet einem jungen Mann in einer Gewitternacht buchstäblich die Frau seiner Träume: Sie kauert todtraurig auf den Stufen einer Guillotine und scheint mutterseelenallein und obdachlos zu sein. Er nimmt sie mit in sein Zimmer, sie verbringen die Nacht miteinander, doch am nächsten Morgen liegt sie tot im Bett. Ein herbeigerufener Wachtmeister erkennt die Frau und löst ihr schwarzes, diamantenbesetztes Halsband - woraufhin ihr Kopf zu Boden fällt. Sie war tags zuvor im Zuge der revolutionären Massenmorde enthauptet worden. Seitdem war sie nur noch scheinbar am Leben gewesen, tatsächlich aber schon weit jenseits von Welt und Wirklichkeit, eine Schimäre bloß, ein Trugbild und Hirngespinst, binnen Kurzem zerstoben und entschwunden - wie die notdürftig reanimierte SPD. Memento mori!

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¹Offensichtlich ein Urahn der 68er: „Gottfried Wolfgang war ein junger Mann aus guter Familie. Er hatte einige Zeit in Göttingen studiert, aber da er von visionärem, enthusiastischem Wesen war, hatte er sich in jene wilden und spekulativen Doktrinen verloren, die so häufig deutsche Studenten irregeführt haben.“

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