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Der Abfall der Niedersachsen

26.02.2006

Sehr geehrter Herr Möllring,

Sie sind ein echter Kumpel! Während dieser Tage der Rest der Welt im Taumel des Frohsinns versinkt und bekanntlich sogar das Sauerland außer Rand und Band ist, nähert sich die Stimmung in der karnevalsfreien Zone Niedersachsen dem Gefrierpunkt. Um dieser bedrohlichen Entwicklung energisch Einhalt zu gebieten, sind Sie beherzt in die Bütt gestiegen und haben in Ihrem köstlichen Kurzvortrag zum Besten gegeben, die streikgebeutelten Niedersachsen (und der Rest der Welt) sollten die Zahlung der Gebühren für die Abfallentsorgung einstellen. Mein lieber Möllring, Sie sind mir ja ein - im doppelten Wortsinn - rechter Schelm! Nun geht das Stimmungsbarometer wieder steil nach oben, denn Sie haben bewiesen, dass auch und erst recht in Niedersachsen die Narretei fröhliche Urständ feiert - das wäre doch gelacht!

Es gibt jedoch humorresistente Sauertöpfe, deren böse Zungen behaupten, Sie hätten das ernst gemeint. Das kann ich mir zwar überhaupt nicht vorstellen, aber wir wollen diese Variante mal spaßeshalber durchspielen: Denkbar wäre, dass Sie versuchen, den Unmut der Bürger für Ihre (tarif)-politischen Ziele auszunutzen und sie gegen die Streikenden im Allgemeinen und ver.di im Besonderen aufzubringen. Diese nicht gerade von Stil und Anstand, aber von umso mehr Hilf- und Argumentationslosigkeit zeugende Maßnahme würde jedoch zum Bumerang: Indem die Bürger die Zahlungen an die Abfallentsorgungsbetriebe einstellen, würde exakt das geschehen, was bei Streiks in privatrechtlichen Betrieben immer und von vornherein das Ziel der Streikenden ist: Dem Betrieb wird ein Einnahmeausfall bereitet, der ihn bewegen soll, die Forderungen der Streikenden zu akzeptieren. Fazit: Wenn Sie schon Ihr Ministeramt missbrauchen, um öffentlich Unfrieden zu stiften, dann tun Sie das wenigstens einigermaßen stringent! Dass Ihnen dies gewisse Schwierigkeiten bereitet, haben Sie bereits gezeigt, indem Sie verbreiten, den öffentlich bediensteten Faulpelzen gehe es eigentlich nur um läppische 18 Minuten. Wenn dem so wäre, warum ist dieser Punkt für die Arbeitgeberseite aber von solch enormer Bedeutung?

In der Sache selbst geht Ihr anarchischer Aufruf zum bürgerlichen Ungehorsam im Übrigen fehl, denn die momentan unterbliebene Leistung der Abfallentsorgungsbetriebe wird ja nach dem hoffentlich in Kürze beendeten Streik nachgeholt werden. Die Streikenden können und wollen sich natürlich ihrer Verpflichtung der Öffentlichkeit gegenüber nicht entziehen. Insofern hat jeder Müllwerker mehr Verantwortungsbewusstsein als Sie, von dem man zusehends den Eindruck gewinnt, dass Sie Klassenkampf von oben betreiben.

Zum Schluss möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, ebenfalls in die angewärmte Bütt zu steigen und - Heinz Erhardt abwandelnd - auszurufen: Wir wollen dem Möllring eine Abfuhr erteilen! Helau!

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(26.02.2006)