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Allahhand!

23.11.2015

Lieber Nacer Barazite,

da hast du dir ja ein grandioses Eigentor verpasst, als du kürzlich der Fernsehreporterin Hélène Hendriks nicht die Hand gabst (was aber voll korrekt war, denn beim Fußball ist die Hand nun mal tabu). Spaß beiseite: Schon vor einiger Zeit hatte der FC Utrecht den Medien mitgeteilt, dass du und dein Fußballerkollege Yassin Ayoub „aus religiösen Gründen“ Frauen nicht die Hand gebt. Der Verein respektiere das und bat die Journalistinnen, dies zu berücksichtigen. Gemäß Sure 4, 46 (43) muss ein Muslim sich vor dem Gebet Gesicht und Hände waschen, wenn er gerade auf dem Klo war oder eine Frau berührt hat. Da ist es von theologischer Warte zweifellos zeit- und wasserökonomisch, Letzteres weitestgehend zu vermeiden. Hierzu möchte ich ein gediegenes Pröbchen deutscher Leitkultur beisteuern: „Gott ist tot. Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Seife nicht!“ Aber mal ganz ehrlich, Nacer, unter uns Sportsfreunden: Was du und deinesgleichen als „religiöse Gründe“ vorschiebt, ist doch nichts weiter als Unterdrückung und eine verächtliche Sichtweise auf Frauen, die ihr sämtlich als minderwertig und unrein betrachtet. Das kann auch jeder Zuhälter ohne Religion. Alles andere ist eine Verschleierung der Realität. Kennst du den: Es gibt zwei Dinge, die nach Fisch riechen - eins davon ist Fisch. Nicht kapiert? Macht nichts, du bist ja Fußballspieler. Ihr lacht euch doch was ins Fäustchen über die doofen politisch Korrekten, die euer Religionsgefasel kritiklos wiederkäuen und als nützliche Idioten mithelfen, diese Jauche in die Welt zu kippen. Wieder einmal zeigt sich, dass man keine Vorurteile gegenüber anderen Völkern haben sollte: Gerade von Niederländern hätte man mehr Vernunft, Anstand und zivilisatorisches Stehvermögen erwartet. Theo van Gogh würde sich im Grabe herumdrehen. Oder ist das nur ein branchenspezifischer Ausrutscher, weil alle Fußball-Funktionäre korrupt sind? (Schon wieder ein Vorurteil, Schande über mich!)

Der Verein verlautbart zu deiner Ehrenrettung, dass du keine Probleme mit der weiblichen Physiotherapeutin hast. Donnerwetter, da gehörst du ja zum progressiven Flügel deiner Muslimbrüder, du bist wohl ein richtiger Frauenversteher. Zwar befasst sich die Physiotherapeutin weniger mit deinen feingliedrigen, dem Gebet geweihten Händen als mit deinen strammen Oberschenkeln. Dennoch grenzt deine liberale Haltung beinahe an Häresie. Pass bloß auf, dass du dir kein Fatwa vom Islam-Papst einhandelst.

Du und dein Vereinsvorstand dürft aber nicht als Einzeltäter gebrandmarkt werden, denn ihr befindet euch in bester, europäisch vernetzter Gesellschaft: Einige Wochen zuvor beabsichtigte die CDU-Politikerin Julia Klöckner, eine Flüchtlingsunterkunft in Idar-Oberstein zu besuchen. Der anwesende örtliche Imam ließ ihr ausrichten, dass er ihr nicht die Hand geben werde. Willfährige Überbringer des göttlichen Ratschlusses waren diesmal Funktionäre des Technischen Hilfswerks. Klöckner blies daraufhin den Besuch ab. Die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann berichtet, sie habe das Gleiche mit orthodoxen jüdischen Männern erlebt. Na bitte, es ist nun mal die natürliche Bestimmung der Frau, ein Störfaktor für wahre Männer Gottes zu sein, alles nur halb so schlimm. Katholische Imame dürfen ja nicht mal heiraten, da sind ihnen Juden und Muslime um Jahrtausende voraus.

Du kannst noch von Glück sagen, dass du in den Niederlanden lebst statt in Österreich: Dort hat es mit der Handreichung nicht sein Bewenden, sondern die Männer müssen den Frauen die Hand - jetzt musst du stark sein - küssen! Igitt, pfui Schaitan, dir kommt der Mageninhalt hoch, nicht wahr? Da würde präoratorisch nicht mal eine Ganzkörperdusche zur Dekontamination ausreichen.

Ich selbst scheue mich nicht, Frauen die Hand zu geben (versuch es einfach mal: Vom Feeling her ist das ein gutes Gefühl). Dennoch sind du und ich vom selben Hand-Schlag. Auch ich lehne es aus meiner tiefsten Überzeugung ab, einer bestimmten Menschengruppe die Hand zu reichen: reaktionären, hinterwäldlerischen, gesellschaftlich inkompatiblen Chauvi-Rektalöffnungen. Ich kann nicht so viel essen, wie ich ...

Die ganze Aufregung ist umso überflüssiger, als Hélène Hendriks nach eigenem Bekunden selbst kein Problem damit hat, wenn ihr jemand aus religiösen Gründen nicht die Hand gibt. Und du seiest ein richtig netter Kerl. Daran sollte sich Julia Klöckner mal ein Beispiel nehmen: Immer tolerant und lockerflocker, getreu dem guten, alten Grundsatz: Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit. Bleibt nur die Frage, wie du selbst es empfinden würdest, wenn dir jemand nicht die Hand geben wollte, so wie dies einem anderen jungen Mann, Spitzensportler wie du, einst widerfuhr: Jesse Owens, schwarzer Amerikaner, Publikumsliebling der Olympischen Spiele, dem ein Mann die Hand verweigerte, der ebenfalls von einem Gott gesandt zu sein glaubte und der auch ein richtig netter Kerl sein konnte (sofern man vor ihm kuschte): Adolf Hitler. Mit Muslimen hatte er übrigens kein Problem, ganz im Gegenteil: Da bestanden durchaus gleichgelagerte Zielvorstellungen. - Hand drauf!

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(24.11.2015)