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Der alte Onkel

29.09.2008

Die SPD ist wieder da! Heißt es. Aber wo? Da, wo sie schon seit Langem ist - im Abseits? Aber nein, die SPD ist wieder on top! Und warum? Weil Herr Müntefering neuer Parteivorsitzender ist. Na, das ist ja wirklich total innovativ und zukunftsorientiert. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Müntefering von März 2004 bis November 2005 schon mal Vorsitzender war. Und vor allem, weil er bereits 68 ist. Mit 68 hat man gefälligst in der wohlverdienten Rente zu sein, statt die Menschheit mit penetranter Unentbehrlichkeit zu behelligen. Wenn Herr Müntefering sich allein zu Hause langweilt, so ist das sein Problem, aber kein Grund, ihn mal eben zum Vorsitzenden einer - früher nannte man das so - Volkspartei zu machen. Hat die alte Tante SPD nichts Besseres zu bieten? Hätte sie Müntefering nicht wenigstens ins Zwischenlager Brüssel entsorgen können wie die CSU Herrn Stoiber? Was wäre eigentlich, wenn Müntefering das Trauerjahr noch etwas verlängert hätte? Wäre Herr Beck, statt schon jetzt von einem als Parteivorstandssitzung getarnten Femegericht exekutiert worden zu sein, weiterhin Vorsitzender, mit Gnadenfrist, bis Kaiser Franz geruhen, "in die Politik zurückzukehren"?

Die Häufigkeit, mit der die SPD seit 2004 ihre Vorsitzenden umschlägt, wird nur erreicht von der Häufigkeit, mit der die SED seit 1990 - flüchtigen Terroristen und Kriegsverbrechern gleich - ihren Namen ändert. Womit wir zwangsläufig beim Thema Nr. 1 wären: Auch Müntefering wird nichts daran ändern können, dass Sachfragen keine Rolle spielen, sondern hinsichtlich der SPD alle nur an das Eine denken: Wie hält sie's mit der Un-Rechten? Werden die beiden es ab September 2009 auch im Bund miteinander treiben? Aus dieser Falle wird die SPD nie mehr herauskommen.

Aber warum eigentlich nur Parteivorsitzender, warum so bescheiden? Das wäre doch mal was: Zum 60. Geburtstag der Republik wird wieder ein Wundergreis Bundeskanzler. Ein großes Vorbild hat Müntefering ja (nein, nicht den alten Indianer aus Rhöndorf): Als er 2004 zum ersten Mal SPD-Vorsitzender wurde, verlautbarte er, das sei das schönste Amt nach Papst. Diese Drohung müssen wir ernst nehmen, denn jetzt macht Opapa Münte mobil, und er steht erst am Anfang: Benedikt Nr. 16 ist schon 81 und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Und absetzen kann ihn nur der große Manitu.

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(29.09.2008)