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Ausscheidungen

10.06.2008

Ja super, jetzt ist es auch schon egal! So lange habe ich sehnsüchtig die Europameisterschaft erwartet - nicht weil ich auf Fußball stehe, sondern weil ich hoffte, dass dadurch endlich das seit Monaten in den Medien bis zum Erbrechen ausgelutschte und platt getretene Thema Nr. 1 verdrängt würde: der sog. Vorwahlkampf der sog. Demokratischen Partei der USA. Ich kann dieses aufgeblasene Gedöns auf dem Niveau einer x-beliebigen Hollywood-Schmonzette einfach nicht mehr hören. Inzwischen habe ich schon Albträume: Zwei riesengroße, diabolisch grinsende Reklamefiguren (die eine für Solarien und Zahnpasta, die andere für Föhnfrisuren und Zahnpasta), die sich auf mich stürzen und mich zermalmen. Und rein zufällig exakt am selben Tag, an dem die EM beginnt, teilen die beiden Kandidaten mit, dass das ganze Rumgehampel plötzlich entschieden ist. Natürlich ist das kein Zufall, sondern perfide Absicht, um den Europäern mal wieder unter die Nase zu reiben, dass sie den USA ewig hinterher hinken.

Was ist so über die Maßen interessant am amerikanischen Wahlverfahren, das noch undurchschaubarer und verworrener ist als ein Fußballspiel? Warum starren alle wie benebelt auf irgend so einen Herrn Niemand, der mit Vornamen Kaserne heißt, und auf eine Fast-Rentnerin, deren hervorragendste Eigenschaft sich darin erschöpft, die Frau ihres Mannes zu sein? Obama oder Clinton, Lari oder Fari, Wischi oder Waschi - wo ist der Unterschied? Dass von amerikanischen Präsidenten jemals irgendetwas Gutes zu erwarten ist, glauben ohnehin nur Leute, die anstelle des Kopfes einen Fußball haben, der volle Lotte gegen den Torpfosten geknallt ist. Als hätten wir nicht schon genug Dauerstress durch das gemeinsame Foulspiel von SPD und PDS - da müssen wir uns obendrein auch noch mit dem Vorwahlkampf der Demokratischen Partei behelligen lassen. Immerhin genügt es dort, dass einer von beiden ausscheidet. Zur Lösung unseres Vor-Wahlkrampfs ist es hingegen dringend erforderlich, dass gleich beide Mannschaften die dunkelrote Karte erhalten, damit sie in der Deutschen Meisterschaft 2009 vom Platz gestellt und für immer aus der Bundestagsliga verbannt werden.

Wann hören wir Europäer, insbesondere wir Deutschen, endlich auf, jeden Pups, der in den USA gelassen wird, für eine Offenbarung zu halten? So wurde uns kund und zu wissen getan, dass in Alabama Herr Obama, in Oklahoma aber Frau Clinton gewonnen hat. Ja und? Sollen wir das jetzt analysieren? Und vor allem: Was ist Oklahoma? Wir hatten ehrfürchtig zur Kenntnis zu nehmen, dass Puerto Rico zwar kein Bundesstaat der USA ist, die Puerto Ricaner aber dennoch amerikanische Staatsbürger sind, die aber dennoch nicht an der Wahl des amerikanischen Präsidenten teilnehmen dürfen, wohl aber an der Wahl des Kandidaten der Demokratischen Partei. Hä? Da ist ja eher noch begreiflich, was ein Abseits ist.

Und überhaupt: Soll das die berühmte amerikanische Effizienz sein? Das Vorwahlspektakel hat 5 Monate gedauert, und jetzt stehen nur die Kandidaten fest, damit im November (!) endlich richtig gewählt werden kann. Toll! Innerhalb von 5 Monaten hätten die Italiener in ihrer besten Zeit mindestens ein Dutzend komplette Regierungen eingesetzt und wieder verschlissen.

Frau Clintons letzte Worte: "Today I suspend my campaign." Heißt auf deutsch: "Ich habe fertig." La Ola!

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(10.06.2008)