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Ungerechtfertigte Bereicherung

10.9.2015

Nein, also wirklich, dieses Volk! Die selbsternannte Elite aus Politikern und berufsmäßigen und ehrenamtlichen Gutmenschen kommt nicht umhin, höchlichst darob verwundert zu sein und indigniert übelzunehmen: Der unbedeutende Rest der Bevölkerung erdreistet sich, nicht gehorsamst vor lauter Freude in die Hände zu klatschen und Luftsprünge zu machen vor Begeisterung, weil aus heiterem Himmel massenhaft Flüchtlinge ins Land kommen, die eine Menge Geld kosten, das öffentliche Leben durcheinanderbringen (in Göttingen z. B. ist ein Sextreff dichtgemacht worden, um darin Flüchtlinge einzuquartieren) und vielleicht infolge inakzeptabler Wertesysteme nicht sämtlich gesellschaftlich kompatibel sind.

Andererseits: Ich bin auch nicht entzückt darüber, dass ich jeden Tag arbeiten muss (und das noch 7 Jahre, obwohl die Luft schon längst raus ist); dass ich von meinem Gehalt Steuern zahlen muss und für jede Ware obendrein; dass ich Wäsche waschen und Staub saugen muss; dass ich andauernd der Miktion und Defäkation obliegen muss (ganz zu schweigen von anderen lächerlichen Unterleibsbedürfnissen); dass ich jeden Tag duschen muss, um nicht allzu sehr zu stinken; dass ich mir zweimal täglich die Zähne putzen muss (und zweimal jährlich zum Zahnarzt); dass ich jeden Tag mehrere Stunden mit Schlafen verplempern muss; dass ich jeden Morgen die unablässig wuchernden Popel aus der Nase bohren muss; dass ich alle Jahre wieder 3 Monate lang dieses unerträgliche Weihnachten ertragen muss; dass ich einkaufen muss; dass ich viel Zeit und Geld für die unablässige Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr vergeuden muss; dass ich die ohne biologischen Nutzen stetig sprießenden Haare, Bart, Finger- und Fußnägel schneiden muss; dass ich von Geburt an Tag für Tag mit der Gattung Mensch zu tun haben muss u. v. a. m. Aber all dies muss nun mal sein, ob ich will oder nicht, da hilft kein Jammern und kein Grollen. Das ganze sog. Leben ist nichts weiter als eine endlose Abfolge lästiger Notwendigkeiten - da kommt es auf die Flüchtlinge auch nicht mehr an.

Die Bevölkerungen der Länder, in die sich Menschen vor dem NS-Regime flüchteten, brachen vielleicht ebenfalls nicht spontan in Jubel aus; vielleicht auch nicht die Deutschen, als vor 300 Jahren die Hugenotten zu ihnen kamen, aber irgendwie ging es dann schon. Wir müssen die Flüchtlinge nicht lieben. Liebe gibt es nicht auf Kommando (auch wenn der Stammtisch der politisch Korrekten das gerne so hätte). Aber es muss unbedingt Verantwortung und Verpflichtung geben (das ist ohnehin viel wichtiger - Liebe allein ist nur ein Pups im Wind). Die niemals zur Disposition stehende Grundmenge des deutschen und europäischen Wertesystems besagt, dass die Würde der Menschen unantastbar ist - und erst recht ihre körperliche und seelische Unversehrtheit. Gewalt beginnt mit entwürdigendem, gehässigem, aggressivem Verhalten und öffentlicher Bekundung von Zurückweisung und Ausgrenzung. Um Richard von Weizsäcker zu variieren: „Gewaltverzicht heißt, den Menschen dort, wo sie das Schicksal hingetrieben hat, nun eine unangefochtene Sicherheit für ihre Zukunft zu geben. Es heißt, den widerstreitenden gesellschaftlichen Ansprüchen das Verständigungsgebot überzuordnen.“

Alle Flüchtlinge zusammen können nicht so fremd, so gesellschaftlich inkompatibel sein wie die rechtsradikalen Terroristen (und ihre klammheimlichen Sympathisanten), die Deutschland zu verpesten drohen.

Enrichissez-vous! Das o. g. Volk kommt aus dem Staunen nicht heraus: Flüchtlinge, so belehren uns landauf, landab die o. g. Meinungsbildner, seien eine Bereicherung - nicht nur für geldgierige Vermieter, die die Sozialämter ausplündern, sondern für uns alle, so irgendwie ideell oder irgendwie so. Das klingt, als müsste den Flüchtlingen krampfhaft eine Existenzberechtigungsbescheinigung ausgestellt werden. Wenn eine Mutter und ihre Kinder sich ins Frauenhaus flüchten, spielt es dann eine Rolle, ob sie dort eine Bereicherung sind? Ich bin ja auch keine Bereicherung für Deutschland, und dennoch hänge ich hier seit 58 Jahren flüchtig herum.

Ach, was soll bloß aus uns armen Deutschen werden? Mit Flüchtlingen steht der Untergang des Abendlandes bevor, ohne aber erst recht - zumindest in Südniedersachen: Für Goslar sind Flüchtlinge nicht nur eine Bereicherung, sondern sogar unverzichtbar, geradezu überlebensnotwendig. Deshalb verlangt Oberbürgermeister Oliver Junk, dass seine Stadt mehr Flüchtlinge aufnehmen darf, als sie eigentlich müsste: Der Harz leide besonders stark an Überalterung und Einwohnerschwund. „Wir verlieren Einwohner. Schrumpfende Regionen aber werden weniger attraktiv für die Wirtschaft. Das ist eine Abwärtsspirale, aus der wir raus wollen.“ Diese Löcher im deutschen Sozialgefüge sollen nun durch Flüchtlinge gestopft werden, damit man auch in 10, 15 Jahren „keine Antidepressiva zu schlucken“ braucht, wenn man nach Goslar zieht - german angst. Entwicklungshilfe einmal anders: Tod und Zerstörung in Exotistan als Allheilmittel gegen den luxuriösen deutschen Geburtenrückgang. Da klatschen die Flüchtlinge vor lauter Freude in die Hände, und es erfüllt sie mit Stolz und Lebenssinn, dass sie Deutschland bereichern und vor dem wirtschaftlichen und demografischen Absturz retten dürfen. So haben Krieg und Elend doch auch ihr Gutes - wat dem eenen sin Uhl ...

Die Bereicherungs-Apologeten erinnern an den Hersteller des loriotschen Atomschutzbunkers K2000, der auf die Frage, wie sich denn seine Umsätze entwickeln würden, falls die weltpolitische Lage sich unerwartet entspannen sollte, entsetzt ausruft: „Wir wollen doch nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen!“

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