www.dietrich-klabunde.de
Startseite > Sonstiges > Sehr geehrte Frau Merkel

Druckfassung (PDF)

Sehr geehrte Frau Merkel

Göttingen, 18.08.2005

Frau
Angela Merkel
Vorsitzende der CDU
Klingelhöferstraße 8

10785 Berlin

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Merkel,

eine Frage vorab, die uns alle beschäftigt: Werden Sie beim Bundesverfassungsgericht Klage wegen unlauteren Wettbewerbs erheben? Sie brauchen sich doch von den WASG/PDS-Emporkömmlingen nicht ihr seit langem prognostiziertes Geschäftsergebnis vermiesen zu lassen, nachdem sie die ganze Vorarbeit geleistet haben. Andererseits: Was haben Sie den verbiesterten Wählern eigentlich zu bieten? Ihre beiden Hauptziele sind ja nicht gerade verlockend: a) Sie werden die Soziale Marktwirtschaft zerstören. b) Sie werden Deutschland zum willenlosen Vasallen der derzeitigen amerikanischen Regierung machen. Viele Deutsche haben allerdings noch nicht erkannt, dass CDU/CSU und FDP nicht mehr das sind, was sie zu Zeiten der Herren Kohl und Genscher einmal waren. Diese Parteien haben die Oppositionszeit seit Herbst 1998 gut genutzt, um sich ideologisch neu zu orientieren und in Position zu bringen. Heute bestehen die Protagonisten von CDU/CSU und FDP aus rücksichtslosen Reaktionären und Systemveränderern, die angetreten sind, Deutschland in einen gusseisernen Würgegriff zu nehmen und in eine autoritäre, militarisierte und profitgierige Gesellschaft zu verwandeln.

So ist Ihnen und Ihren Mitstreitern die Soziale Marktwirtschaft, die vor Jahrzehnten maßgeblich von der CDU entwickelt wurde und die Grundlage für das wirtschaftliche und politische Wohlergehen der Bundesrepublik bildete, naturgemäß zutiefst zuwider. Deshalb werden Sie diesen ganzen Sozial-Klimbim mit Kündigungsschutz und Tarifverträgen usw. endlich abschaffen. Das nennt man dann Modernisierung und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, und außerdem haben wir noch 5 Millionen von der Bundesregierung verursachte Arbeitslose, da ist doch jedes Mittel recht, und wer das nicht einsieht, ist schuld an der Arbeitslosigkeit. Nicht so ganz ins Bild passt allerdings der Umstand, dass nicht eine Bundesregierung, sondern die Unternehmen ihre Mitarbeiter auf die Straße setzen. Als im Juni 2005 bekannt wurde, dass die italienische Unicredit-Bank nach der Übernahme der Hypo-Vereinsbank rd. 9.500 Stellen streichen wird, musste die CDU denn auch spornstreichs verlautbaren, dass dies selbstverständlich unvermeidliche Folge der von der Bundesregierung verschuldeten desaströsen Rahmenbedingungen ist. Dies ist ja eigentlich nichts Neues, verblüffend ist jedoch, dass von diesen 9.500 Stellen "nur" 1.800 in Deutschland, die weiteren 7.700 jedoch im übrigen Europa entfallen sollen. Ei potz, hat sich Deutschland unter der Führung der rot-grünen Nichtskönner etwa klammheimlich zur führenden Wirtschaftsnation Europas gemausert, sodass das ruinöse Wirken der Bundesregierung sich arbeitsplatzvernichtenderweise sogar über Deutschland hinaus auswirkt? Wunder über Wunder.

Was erhoffen Sie sich davon, dass Sie der derzeitigen amerikanischen Regierung Deutschland andienen werden? Glauben Sie denn wirklich, dass die US-Regierung Respekt vor Ihnen hat? So naiv darf ein künftiger Bundeskanzler eigentlich nicht sein. Haben Sie stattdessen schon einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass Sie für die US-Regierung nichts weiter sind als eine nützliche Idiotin, eine Art Tony Blair auf dummdeutsch? Die derzeitige amerikanische Regierung hat vor nichts und niemandem Respekt, nicht vor den Lebenden und nicht vor den Toten, nicht vor der Gegenwart und nicht vor der Geschichte (von der Zukunft ganz zu schweigen), sie besudelt alles und zieht alles in den Schmutz, der Rest der Welt besteht für sie aus Schurkenstaaten und Deppenstaaten. In einer unsäglichen Mischung aus Dummheit und Zynismus vergleicht sie den Überfall auf den Irak mit der Invasion am 4. Juni 1944 und der Grenzöffnung am 8. November 1989 - und stellt Deutschland gleichzeitig auf eine Stufe mit den abgewrackten Diktaturen in Lybien und auf Kuba. Warum wollen Sie sich mit solchen Leuten gemein machen, die im Zweifelsfalle Deutschland wegwischen würden wie ein lästiges Insekt? Hinter Ihrer absoluten Ergebenheit gegenüber der derzeitigen amerikanischen Regierung steht kein einziger politischer Gedanke, sondern allein Kadavergehorsam und nationale Würdelosigkeit. Warum wollen Sie nicht zulassen, dass Deutschland ein souveräner Staat geworden ist? Was haben Sie eigentlich gegen Deutschland?

Die derzeitige amerikanische Regierung ist verhasst, das wissen wir alle, und Sie werden das nicht ändern können. Wäre dieser Herr Bush am 23. Februar 2005 in Freundesland gekommen, so hätte im Rhein-Main-Gebiet nicht der Ausnahmezustand zu herrschen brauchen - noch nie zuvor wurde die Bundesrepublik dermaßen gedemütigt. Die Liebe des gemeinen Volkes diesem Herrn Bush gegenüber war und ist etwa so herzlich und tief empfunden wie in der DDR, wenn Staatsbesuch aus Moskau kam. Aber das Volk spielt ja gar keine Rolle, solange es nur genügend Schranzen gibt, die mit lustvoll unterwürfiger Hingabe dem großen Bruder die Füße küssen und den Speichel lecken, den er auf das besuchte Land spuckt.

All das werden wir hinnehmen müssen - zähneknirschend, die Faust in der Tasche. Sobald Sie aber deutsche Soldaten in den Irak oder auf ein anderes künftiges Schlachtfeld des amerikanischen Imperialismus verschachern, dann wird die Republik beben. Und dieses Beben, Frau Merkel, werden Sie und Ihre Regierung nicht überstehen.

Mit unvermeidlich wenig freundlichen Grüßen

Dietrich Klabunde

------------------------------------------------------------------------------------

Weitergabe, Veröffentlichung jeglicher Art und Verlinkung dieses Textes sind mit Autoren- und Quellenangabe ausdrücklich erwünscht!

Startseite > Sonstiges > Sehr geehrte Frau Merkel

(14.08.2005)