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Die eigene Karikatur

14.04.2006

Sehr geehrter Herr Karzai,

nein, ich danke Ihnen nicht! Man braucht nicht dafür dankbar zu sein, dass ein Mord unterbleibt. Aber eine Illusion ist zerstoben: die Illusion, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in einem Land mit islamischer Tradition möglich sind, wenn die fortschrittliche Elite von der internationalen Gemeinschaft gestützt und geschützt, gefordert und gefördert wird. Doch durch den nur aus Gründen der Staatsräson unterbliebenen Mord zu Ehren des Islam hat sich dieser neuerlich als seine eigene Karikatur erwiesen. Ich hatte immer große Sympathie für Sie, weil Sie ein Kopf sind und redlich, und für Ihr Land, weil die Afghanen in den vergangenen Jahrzehnten so viel erleiden mussten. Und weil ich Afghanistan als eine Art Schützling und Patenkind Deutschlands ansah, nachdem die Afghanistan-Konferenz Ende 2001 in Deutschland stattgefunden hatte (worauf ich ziemlich stolz war). Aber inzwischen kommt die bittere Einsicht, dass das internationale Engagement in Afghanistan allein dazu dienen kann, zu verhindern, dass sich dort erneut der Abschaum einnistet und die Welt bedroht. Es ist hoffnungslos: Der real existierende Islam ist ein Albtraum. Und deshalb gibt es zwischen den islamischen Staaten und den säkularisierten Demokratien keine Gemeinsamkeiten. Möglich ist nur eine distanzierte Koexistenz. Und im Übrigen: warten auf den endogen induzierten Zusammenbruch - wie zu Zeiten des Kommunismus.

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(14.04.2006)