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Ein Ball für Zweiundzwanzig

11.06.2006

Ein wahres Wort zur rechten Zeit: Außenminister Frank-Walter Steinmeier bittet die Deutschen, anlässlich der Fußball-WM sich und unser Land mit großer Gastfreundschaft und Weltoffenheit zu präsentieren. Hinzugefügt sei: mit Respekt vor solchen Ländern, die nicht zu den sonnenbeschienenen Hauptdarstellern der Welt gehören. Dies sollten wir alle als heitere, entspannte nationale Aufgabe betrachten. Ein Weiteres hat Herr Steinmeier allerdings noch erwähnt: sportliche Begeisterung. Tja, also ... äh ... na gut, nun muss ich mich wohl auf eine Weise outen, die in diesen Wochen fast noch schändlicher ist als das Eingeständnis, PDS-Wähler zu sein: Ich interessiere mich nicht für Fußball! So, nun ist es endlich raus, und irgendwie fühle ich mich jetzt erleichtert. Es mag ja durchaus sein, dass alles, was Spaß macht, mit F anfängt und dass auch ein erregendes Fußballspiel möglichst viele Höhepunkte hat, aber ich habe nun mal keine Lust, mir 90 Minuten lang dieses völlig undurchschaubare, hektische Herumgerenne anzusehen. Und mittendrin dieser Ball, der den Spielern andauernd im Weg herumkullert. Ein kleiner Tipp, Jungs: Nehmt den Ball doch einfach in die Hände, dann könnt ihr viel besser laufen! Zugegeben, Fußball ist relativ weniger einschläfernd als Tennis, aber die wirklich unterhaltsamen Dinge, nämlich knackige Fouls und Schiedsrichterbeleidigung, sind ja offiziell gar nicht erlaubt. Und man mag mich für einen vaterlandslosen Gesellen halten, aber es ist mir völlig gleichgültig, ob Costa Rica oder Michael Schumacher Fußball-Weltmeister wird.

Überdies: Warum muss die WM eigentlich einen ganzen Monat dauern? Das ist absolut unwirtschaftlich. Eine einfache Rechnung: 64 Spiele à 2 Stunden sind zu absolvieren, und es stehen 12 Stadien zur Verfügung. Bei optimaler Ausnutzung dieser Ressourcen könnte die gesamte WM demnach in gut 10 Stunden über die Bühne gehen. Die enormen betrieblichen und volkswirtschaftlichen Schäden durch Arbeitsversäumnis und Leistungsminderung infolge durchfeierter Nächte ließen sich somit drastisch reduzieren. Und obendrein brauchte man nicht einen Monat lang ungeduldig auf das Ergebnis zu warten. Selbst diese 10 Stunden könnten noch weiter verringert werden, denn es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb jedes Spiel 90 Minuten dauern muss. Auch aus Arbeitnehmersicht (Stichwort "Arbeitszeitverkürzung") ist es - zumal bei diesen hochsommerlichen Temperaturen - völlig inakzeptabel, dass die Spieler sich anderthalb schweißtreibende Stunden lang abrackern müssen, während gleichzeitig Zehntausende auf den Zuschauerbänken und Millionen auf dem Sofa sich gemütlich herumfläzen und an diesem qualvollen Treiben delektieren - ave Caesar, morituri etc. Ausgehungerte Raubtiere sind heutzutage zwar nicht mehr im Spiel, stattdessen aber Thomas Gottschalk und Herbert Grönemeyer (und ich weiß nicht, was schlimmer ist). Ich schlage daher vor, jedes Spiel auf 5 Minuten Elfmeterschießen zu beschränken und gut ist. Zudem ließen sich auf diese Weise endlich mal die Torwarte (so 'n Job hätte ich auch gern) effizienter einsetzen.

Nichtsdestoweniger: Auch mich lässt die WM natürlich nicht gänzlich unberührt, und deshalb habe ich die beiden wichtigsten Fußball-Grundsätze auswendig gelernt: Der Ball ist schwer, und beim nächsten Spiel geht's immer am rundesten. La Ola!

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(19.06.2006)