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Kinder, los!

25.04.2014

Es stand im Stern Nr. 16 vom 10.04.2014: In der Titelgeschichte „Braucht man Kinder zum Glücklichsein?“ verneinten mehrere Paare von 30 bis 67 diese Frage vehement und taten kund, weshalb sie keine Nachwuchsförderung betreiben. Für mich, der ich sowohl verbissen auf der Seite des Fortschritts stehe als auch mit einem sehr schlichten Gemüt bestückt bin, ist es mal wieder nicht ganz leicht, den Durchblick zu behalten: Einerseits sollen homosexuelle und lesbische Paare Kinder adoptieren dürfen, andererseits ist es total obercool, wenn immer mehr heterosexuelle Paare keine Kinder zeugen (wer aber liefert dann den Nachschub für die Ersteren?). Beiden Phänomenen bringe ich selbstverständlich ordnungsgemäß Toleranz nach deutscher Art entgegen: Nicht selbst denken und keine eigene, von derjenigen selbst ernannter Eliten abweichende Meinung haben.

Besonders erschüttert und zu Tränen gerührt hat mich das Schicksal des Vaters der Ayurveda- und Yoga-Anhängerin, der beruflich bild- und familiär abhaute, weil sich ihm die bittere Wahrheit, dass Vater werden nicht, Vater sein dagegen sehr schwer ist, dreifach bestätigte, und den dies unvermeidlich vor der Zeit ins Grab brachte. Wie viel menschliches Leid (vor allem beim schwachen Geschlecht) wäre vermieden worden, hätte sich die Gattung Homo sapiens von Anbeginn der Insemination verweigert. Wir müssen einfach konstatieren, dass die Erfindung der Fortpflanzung ein fundamentaler Irrweg der Evolution war. Na ja, hinterher ist man immer schlauer.

Vorsätzliche Kinderlosigkeit rechtfertigt sich als sozialadäquat, weil die Betroffenen, statt den kostbaren Produktionsfaktor Zeit mit ihrer Brut zu verplempern und egoistisch in Eltern- und Teilzeit einen faulen Lenz zu schieben, pausenlos malochen bis zum Umfallen und dadurch Einkommensteuer in astronomischer Höhe zahlen, was sicherlich den Staatsbankrott verhindert. Eine ähnliche Begründung kennt man von Rauchern mit Bezug auf die Tabaksteuer. Es muss einmal gesagt sein: Die Reproduktionsresistenten und die Nikotinsüchtigen sind die volkswirtschaftlichen Leistungsträger schlechthin. Und bleiben dennoch ganz bescheiden: Betrachten die vorsätzlich kinderlosen Erleuchteten etwa die vom atavistischen Fortpflanzungstrieb stupide gesteuerten Dumpfbacken als denaturierte Sozialschmarotzer, weil diese schuld daran sind, dass ein Großteil der öffentlichen Mittel für Kinderkram verschleudert wird? Spielplätze, Kindergärten, Schulen, Ikea-Småland u. v. a. m. Längerfristig setzt sich diese nachwuchsinduzierte Geldverschwendung fort bis zum Betrieb von Seniorenresidenzen und Friedhöfen. Das muss doch alles nicht sein! Man halte sich einmal vor Augen, wie viele ungleich sinnvollere, wirklich dringend erforderliche Einrichtungen (z. B. Ayurveda- und Yogazentren) allein von den Unsummen finanziert werden könnten, die für Zahnspangen zum Fenster rausgeschmissen werden. Da knirscht man mit den Zähnen. Und obendrein die unaufhörlichen Kosten für das Kindergeld - ein Fass ohne Boden, schlimmer als der Soli.

Die Frage, ob man Kinder zum Glücklichsein braucht, ist jedoch nur halb schwanger, nur vegetarisch, aber nicht vegan. Vielmehr muss die längst überfällige Loslösung von repressiven, selbstverwirklichungsfeindlichen Konventionen sämtliche Lebensbereiche umfassen, z. B.: Braucht man Arbeit zum Glücklichsein? Braucht man Verkehrsregeln zum Glücklichsein? Braucht man regelmäßiges Duschen zum Glücklichsein? Nein, nein und nochmals nein!

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Siehe auch:
Kinder-Geld

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(9.10.2016)