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Makkaber

12.8.2015

Tief Luft holen, Ohren anlegen und durch - auch die Nachrichten des 28. Juli 2015 würde ich überstehen, das wäre doch gelacht: IS und NSA, Griechenland und Ukraine, Blatter und Putin - der tägliche Ausstoß in die Geschichts-Fäkaliengrube, die von der Gattung Mensch mit unermüdlichem Eifer befüllt wird, um Zeugnis abzulegen von ihrer glor- und segensreichen Existenz. Merken wir eigentlich nicht, wie peinlich das alles ist? Stellt euch mal vor, jemand sieht uns! Unerwartet sprang mir eine Meldung ins Auge: Die Makkabi-Spiele waren eröffnet worden. Makkabi klingt lustig und weckte mein Interesse. Bei genauem Hinsehen stellte sich aber heraus, dass es nur um Sport ging (und ich hatte gehofft, bis zur nächsten WM wäre noch 3 Jahre lang Ruhe). Da ich dieses Wort noch nie gehört hatte, nahm ich an, dass es sich immerhin um eine neue, echt voll geile Trendsportart für obercoole Makker und scharfe Ischen handelt. Aber nein, nicht einmal das, sondern nur die seit Bundesjugendspielen traumatisch vertrauten Ausprägungen schweißtreibender Selbstkasteiung mit Bänderriss und Muskelkater. Wozu dann aber diese originelle, nach Mokka und Makkaroni duftende Bezeichnung? Weil es nicht nur jüdischen Humor, sondern auch jüdischen Sport gibt.

Joachim Gauck (Bundespräsident) nennt die Makkabi-Spiele, die erstmals in Deutschland, gar in Berlin auf dem von den Nationalsozialisten für die Olympischen Spiele des Jahres 1936 erbauten Gelände stattfinden, ein historisches Symbol. In der Tat: Zum ersten Mal seit 70 Jahren werden in Deutschland Menschen aufgrund ihrer religiösen und/oder ethnischen Zugehörigkeit von der Teilnahme an einer öffentlichen Großveranstaltung ausgeschlossen. Oder was sonst wäre geschehen, wenn ich mich als Teilnehmer beworben hätte? (Mal abgesehen davon, dass ich so sportlich bin wie ein Sack keimender Kartoffeln.) Dieses elitäre, völkisch-religiöse Getue ist schlichtweg abstoßend - aber auch rührend lächerlich und von hintergestern: Da sehe ich vor meinem geistigen Auge vergilbte Fotos Zwirbelbart tragender Turnvater-Jahn-Recken mit gefühlter Pickelhaube auf der hohlen Birne, großkotzig-dumpfbackig in die Kamera glotzend, christlich, deutschnational und antisemitisch. Unisono verlautbaren Gauck, Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und Frank-Walter Steinmeier (Bundesaußenminister), diese Veranstaltung sei ein Vertrauensbeweis. Vertrauen worauf? Dass die Regierung des leider vereinten Deutschland keine Ambitionen hat, mal eben die Schoah zu wiederholen? Das ist fein beobachtet, aber hierfür bestand nach dem 8. Mai 1945 eigentlich niemals eine signifikant hohe Wahrscheinlichkeit, nicht in der alten Bundesrepublik seligen Angedenkens, auch nicht im Geltungsbereich des SED-Parteiprogramms. Man sollte sich tunlichst vorsehen, dass solch markige Äußerungen, die einem vor Rührung den Busen beben lassen, nicht zur oberflächlichen, koketten Pose verkommen - zumal nach 70 Jahren.

Aber vielleicht müssen wir dankbar sein, dass es dieses sportliche Großereignis gibt, denn die nächste WM fällt vielleicht aus, weil bis dahin Blatter und Konsorten allesamt im Knast sitzen. Oder als Asylanten in Russland, wo Sportsfreund Putin ihnen den alternativen Nobelpreis verleiht.

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(12.8.2015)