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Schulmeister

21.04.2010

Aufgemerkt nun also: Der türkische Ministerpräsident Erdoğan verlangt türkische Gymnasien in Deutschland (keine türkischen Hauptschulen - die voll krassen Unterschicht-Dumpfbacken interessieren ihn nicht), damit junge Türken richtig türkisch lernen, damit sie richtig deutsch lernen. Oder irgendwie so ähnlich. Daraus lernen wir, dass ausgerechnet diejenigen türkischen Schüler, die fähig sind, ein Gymnasium zu besuchen, nicht richtig deutsch können. Aha. Der Herr Ministerpräsident belieben, zu scherzen oder den Rest der Menschheit für total bescheuert zu halten. Ist Herrn Erdoğan schon mal aufgefallen, dass die italienische, spanische, griechische, kroatische und sonstige Regierungen sich nicht in die Bildungsangelegenheiten anderer Staaten einmischen, um separate Schulen zu bekommen? Die nächste Eskalationsstufe werden dann türkische Universitäten sein.

Aber in der Türkei gibt es doch auch deutsche Schulen! Uff, da atmet der Stammtisch der politisch korrekten Gutmenschen, deren Dauerfeind die Realität ist, erleichtert auf - das Weltbild ist gerettet, mal wieder haarscharf ums Denkenmüssen herumgekommen. Der klitzekleine Unterschied besteht allerdings darin, dass der überwiegende Teil der Schüler deutscher Gymnasien in der Türkei (z. B. die „Deutsche Schule Istanbul“ und das „Istanbuler Gymnasium“) aus Jungtürken besteht, deren Eltern es très chic finden, ihre Kinder deutschsprachig unterrichten zu lassen. Werden künftig deutsche Eltern ihre Kinder schwerpunktmäßig in türkische Gymnasien schicken? Das glauben vielleicht linksalternative Dummsabbler vom Schlage eines Hans-Christian Ströbele, der fordert, in Deutschland müsse es einen muslimischen gesetzlichen Feiertag geben, oder Kuschelmuschelweichei-Christen, die in ihrem Nachtgebet Allah um Vergebung bitten, dass sie infolge widriger historisch-geografischer Umstände keine Muslime werden konnten. Getreu der von Ossi Lafontaine ausgegebenen Parole „Es gibt Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion“ kann Herr Erdoğan sich obendrein Schützenhilfe bei einem anderen bildungspolitischen Kompetenzzentrum holen: bei der PDS, die nicht müde wird, uns zu belehren, dass zu den zahllosen exkulpierenden Errungenschaften der DDR das damalige Schulsystem zählte.

Herr Erdoğan dreht und windet sich, weil er sich nicht traut, das Schlimmste zu sagen, was ein Politiker überhaupt sagen kann: die Wahrheit, einfach das, was er wirklich meint: Tatsächlich will er durch türkische Gymnasien eine Gegenwelt aufbauen für Türken, die sich für etwas Besonderes, etwas Besseres halten, die nicht dazugehören wollen, die sich wie Kolonialherren im 19. Jahrhundert nicht mit den eingeborenen Bimbos gemein machen wollen. Er will linientreue Kaderschmieden, um eine intellektuelle Elite heranzuzüchten, die Machtpositionen in Deutschland einnehmen wird - ohne vom deutschen (Schul)-Wesen verdorben zu sein.

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(21.04.2010)