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Nachspiel
oder:
Am Golde hängt, zum Golde drängt ...

10.07.2006

Das war's also: 168 Tore sind gefallen (Pfusch am Bau?), und für die Spieler gab's fast mehr Karten als fürs Publikum. Bleiben wird die flirrende, ein wenig sehnsuchtsvolle Erinnerung an einen denkwürdigen deutschen Monat, der noch lange nachklingen wird. Ein Mal, nach dem Argentinien-Spiel, dessen Verlängerung und Elfmeterschießen ich - der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe! - versehentlich beim Public-Viewing (deutsch: ÖTV) mitbekam, ging sogar ich zum Gänseliesel, um nicht vollends in die zeitgeistige Abseitsfalle zu geraten, sondern um auch mal einzutauchen in die rauschhafte Begeisterung der Massen, teilzuhaben an diesem überirdischen Glücksgefühl im kollektiven Tooorgasmus, das Land der Deutschen mit der Seele suchend - und vor allem die legendären zahllosen deutschen Fahnen. Um es gleich zu sagen: Zumindest Letztere fand ich nicht. War ich als Nicht-Farbentragender mit Farbenblindheit geschlagen? Keineswegs, es waren tatsächlich nirgendwo die Farben des Deutschland-Vereins zu sehen. Stattdessen so weit das Auge reichte: schwarz-rot-gelb. Was stimmt hier nicht? Ein Blick in die Vereins-Grundsatzung erleichtert die Farbfindung, Artikel 22: "Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold." In Worten: Gold! Warum dann allenthalben nur dieses Fantagelb, wenn's hoch kam, mal ins Orangefarbene mutierend? Es sei ferne von mir, an dieser Stelle wirre Verschwörungsfantasien in die Welt zu setzen, doch in mir keimt ein düsterer Verdacht: Waren all die Fanmeilen, Autokorsos und Jubelfeiern in Wahrheit getarnte verfassungsfeindliche, umstürzlerische Zusammenrottungen? Andererseits: So viele PDS-Wähler gibt es doch gar nicht. Vielleicht finden wir Gold aber nur zu protzig, weil wir Deutschen ja von Natur aus so bescheiden und zurückhaltend sind. Bitte nicht die Ausrede, Gold sei drucktechnisch zu schwierig - die "Gold-Teefix"-Packung beweist das Gegenteil. Daran müssen wir also noch arbeiten: In zwei Jahren ist ja schon Europameisterschaft.

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(09.07.2006)