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28.9.2017

Super-GAU-Land

Läuft nicht bei ihm! Wer wollte es Martin Schulz verdenken: Nach 8 Monaten Langstreckenlauf, als welchen er im Januar den bevorstehenden Wahlkampf bezeichnete, ist er völlig aus der Puste und will sich nur noch ausruhen. Da hat er echt keinen Bock, während der kommenden 4 Jahre permanent gehetzt zu werden - von Alexander Gauland, dem Alpha-Raptoren der AfD, der angekündigt hat, die Merkel-Regierung zu „jagen“, und seiner verwilderten, trampeligen Meute. Lieber besinnt er sich des „Oppositionsauftrags der Wähler“ (die Sozen beweisen Galgenhumor) und verzieht sich auf die Hinterbank. Stattdessen sollen mal die Grünen und die Liberalen ran. Die sind frisch und erholt nach langen Jahren der Opposition, insbesondere die FDP, weil bislang APO. Na ja, die Zeit heilt alle Wunden, und bis zur nächsten Bundestagswahl, wenn die SPD bei 15 % gelandet ist, wird sie sich schon damit abfinden, dass sie nie wieder eine große Partei sein wird, sondern bestenfalls die größte der kleinen.

Selbst die eigenen Reihen versetzt der Jäger-Meister in Angst und Schrecken: „Das ist die Rhetorik, die gerade die bürgerlichen Wähler nicht als konstruktiv empfinden“, kommentiert Frauke Petry und meint damit sicherlich auch Äußerungen wie die, dass die Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (deren Einlassungen ebenfalls zuweilen nicht einer gewissen Entbehrlichkeit entbehren) „in Anatolien entsorgt“ werden sollte. Petry nimmt wohlgemerkt keinen moralischen Standpunkt ein, sie bezeichnet Gaulands Äußerungen nicht als falsch und verwerflich, sondern sie argumentiert ausschließlich taktisch aus Sorge, der weitere Aufstieg der AfD (und vor allem ihr höchstpersönlicher) werde gefährdet. Welch rührendes Eingeständnis im Übrigen, dass die AfD schwerpunktmäßig von Asis und hirnverbrannten Hinterwäldlern gewählt wird. Da ist es verständlich, dass für die ehemalige Unternehmerin und promovierte Akademikerin die Chemie nicht mehr stimmt.

Erbarmen! Gaulands Jagdfieberwahn und Petrys Ankündigung, die „Regierungsübernahme 2021 vorbereiten“ zu wollen (nach der Wahl ist vor der Wahl, und ein gerüttelt Maß Megalomanie verschönert die banale Wirklichkeit), treiben uns allen den kalten Schweiß auf die Stirn und machen unsere Knie schlottern. Das klingt ja noch bedrohlicher als die Ankündigung der PDS anlässlich der Regierungsübernahme in Thüringen 2014, sie werde „um das schwarze Kanzleramt einen roten Ring legen“, um 2017 - allons enfants de la Patrie, auf die Barrikaden! - die Merkel-Regierung hinwegzufegen. Von dieser unverbrauchten Wucht und Dynamik können sich die behäbigen demokratischen Parteien mal ein paar Scheiben abschneiden. Zwecks Synergieeffekts sollten die beiden nationalistisch/sozialistischen Parteien einen interfraktionellen Interessenverband gründen: „Weimar reloaded e. V.“ Dort können sie im Hinterstübchen fernab der Realität einander was vorwichsen und davon träumen, mit vereinten Kräften die Republik zu zerstören.

Den Nationalismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf - so ist es, aber die verfassungsmäßige Ordnung und all diejenigen Bürger, die das stabile Fundament der zivilisierten Gesellschaft bilden: Vernunft, Anstand, Würde!

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(29.9.2017)