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Wenn die Chemie nicht stimmt

23.10.2014

Im Aufruf zur Thüringer Landtagswahl tat die bisherige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ihrem Volke kund und zu wissen: „25 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist die Landtagswahl auch ein Lackmustest für unsere politische Kultur.“ Wie belieben? Lackmustest? Nach einigem Überlegen dämmerte mir vage, diesem Wort in längst vergangenen Schulzeiten begegnet zu sein - hat wohl irgendwas mit Chemie zu tun. Sicherlich bin ich in meiner profunden Unbildung ein tragisches Einzelschicksal, andererseits: Ist diese Larifari-Metapher wirklich für jedermann und -frau auf Anhieb verständlich? Eher ist sie ein beredtes Zeugnis für die Realitätsferne und geistige Oberflächlichkeit vieler Berufspolitiker. Kein Wunder, dass in Ostdeutschland die Wahlbeteiligung so gering ist, wenn der Bevölkerung solch abgedrehte Wahlaufrufe um die Ohren gehauen werden.

Die Verfärbung, die der Thüringer Lackmustest nun ergeben hat, ist äußerst beunruhigend und weit jenseits dessen, was unsere Schulweisheit sich träumt: Blutrot mit hellrötlich-grünlichem Rand - ein Indikator, dass in Ostdeutschland die Chemie nicht stimmt. 25 Jahre nach dem Untergang der SED-Diktatur kommt die umbenannte SED wieder an die Macht - für Westdeutsche ein politischer Kulturschock. So werden die letzten Brücken verbrannt.

Kurze Unterbrechung dieses Textes für 3 Eilmeldungen der Agitprop-Abteilung der PDS:

Im Zuge der Thüringer Sondierungsgespräche stellten wir an SPD und Grüne die ultimative Forderung, dass - wenn sie uns denn partout als Steigbügelhalter dienen wollen - sie unmissverständlich die DDR- und BRD-Geschichte aufarbeiten müssen. Diesen Parteiauftrag haben sie unverzüglich ausgeführt. Im Koalitionsvertrag werden unsere beiden kleinen Blockparteien daher Folgendes zugestehen: 1) Die PDS ist die einzig wahre Deutsche Demokratische Partei. Wer ihr seit 24 Jahren unlautere Absichten unterstellt, ist im Unrecht und tut ihr Unrecht. Deshalb ist die BRD in der Konsequenz ein Unrechtsstaat. 2) Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein. 3) Die jetzige BRD ist die Folge des Pöbel-Putsches gegen das SED-System und der Liquidierung der DDR - allesamt Unrechtstaten. Der Beginn der Deutschen Einheit vor 24 Jahren war daher ein Unrechtsstart. 4) Die Partei, die Partei, die hatte immer Recht. Deshalb war die DDR in der Konsequenz ein Rechtsstaat. 5) Und ein Ulbrechtsstaat.

Alle schimpfen über den Schilderwald an Deutschlands Straßen, aber die dem Großkapital hörigen bürgerlichen Parteien verharren natürlich in Untätigkeit. Als führende Kraftfahrer werden wir nun massiv dagegen vorgehen, denn dieser undurchschaubare Wirrwarr dient allein dazu, der Verkehrsschilder-Industrie auf Kosten der steuerzahlenden Massen endlose Profite zu bescheren. Außerdem bringt Pluralismus das Volk nur auf dumme Gedanken (wie vor 25 Jahren). Beflügelt durch die historische Machtübernahme in Thüringen und das Wahlergebnis von fast 30 % (wovon unser westdeutscher Wurmfortsatz nicht mal träumen kann), werden wir alles daransetzen, dass es in sämtlichen ostdeutschen Bezirken nur noch 5 Verkehrszeichen gibt, damit das Volk weiß, wo es künftig langgeht, und in der Spur bleibt:

30+ Zone vorgeschriebene Fahrtrichtung links Einbahnstraße Sackgasse keine Wende-Möglichkeit

Zudem planen wir, die Anzahl der Automodelle auf 2 zu beschränken. Nicht nur Kinder, vor allem auch das Volk braucht Grenzen. Das ist die Aufgabe des Staats. Sicherheit hat Vorfahrt!

Es ist höchste Zeit, dass wir uns mal wieder umbenennen. Naturgemäß stehen wir auf der Seite aller Unterdrückten dieser Welt, umso mehr wenn es sich um ein Land handelt, mit dem uns seit jeher eine ewige, unverbrüchliche, wundersame Freundschaft verbindet. Als Zeichen der Solidarität mit unserem großen Gleichgesinnten, der infolge rein ideeller Unterstützung des heroischen Freiheitskampfes des ostukrainischen Volkes international geächtet und in arge Schwulitäten geraten ist, könnte die PDS künftig ПЛДЗ heißen - Partei des Lupenrein Demokratischen Sozialismus. Dieser Vorschlag ist nur knapp dem folgenden unterlegen: Schon der Superheld der Parteiarbeit Ossi Lafontaine stellte fest, dass es Schnittmengen zwischen linker Politik und Islam gibt. Sein väterlicher Freund und Saarlandsmann Erich Honecker wurde nicht müde, zu verkünden: „Der Sozialislamismus wird siechen!“ Daher lautet der neue Name der PDS ab sofort: SS - Sozialistischer Staat.

Und nun weiter im Text:

Der künftige PDS-Ministerpräsident Bodo Ramelow, der es wohl für opportun hält, vorzugaukeln, er sei besonders spießig und staatstragend, weshalb er aussieht, als hätte er sich zu Halloween als facegelifteter Honecker-Zombie verkleidet, ist gar kein DDR-Eingeborener mit solider, vertrauenswürdiger Verwurzelung im SED-Stasi-Morast, sondern nur ein West-Import (wie Honecker) - ätsch! Ein klein wenig Schadenfreude wird einem als Westdeutschen, der fassungslos die Entwicklung in Ostdeutschland verfolgt, doch gestattet sein.

Wasser predigen und Bausewein trinken - die PDS sollte den Siegesmund nicht zu voll nehmen: Lieberknecht als Ramelow! Dieser Kalauer ist inspiriert von einer Legende aus finsterer Vorzeit: Als einmal ein französischer Diplomat einen Termin bei einem Nazi-Funktionär hatte und gefragt wurde, ob er Kaffee oder Tee trinken möchte, antwortete er mit süffisantem Lächeln: „Liberté!“

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Zum Thema Unrechtsstaat siehe auch:
Linksstaat

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(23.10.2014)

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