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Gottes Staat

3.10.2015

Lieber IS, so kann das nicht weitergehen! Ihr müsst eure Strategie radikal ändern und einen komplett neuen Masterplan entwickeln. Was habt ihr bislang erreicht in euren eroberten Gebieten mit Millionen Untertanen? Ihr verzettelt euch in Bürokratie, müsst Krankenversicherung und Sozialhilfe organisieren, der Rüstungsetat wächst euch über den Kopf - mit einem Wort: Ihr seid drauf und dran, ein ganz profaner Allerweltsstaat zu werden (na, immerhin sind Homoehe und Frauenquote bei euch kein Thema). Jungs, es kommt nicht auf die Größe an, ihr müsst euch gesundschrumpfen (und vor allem keine Frauen und Kinder: Machen nur Ärger und treiben einen in den Ruin und Nervenzusammenbruch). Habt ihr mitbekommen, wer unlängst die UN-Vollversammlung eröffnet hat? Genau, nehmt euch den Vaticano-Franze und seinen christlichen Verein alter Männer zum Vorbild: Papas CS in Mama Roma ist nur 0,439 km² groß und hat nur einige hundert Einwohner, aber dennoch ist er ein Global Player ersten Ranges, und der Rest der Welt wirft sich vor ihm in den Staub.

Ja, der Franz, der kann's! Allüberall auf internationalem Parkett hat der Vatikan seine Finger im Spiel und führt dadurch Aufklärung und Säkularisierung ad absurdum. Fehlt nur noch die Teilnahme an der Fußball-WM und am Eurovision Song Contest. Da nicht nur der Islam, sondern obendrein das Christentum zu Niedersachsen gehört, befindet sich auch dieses Land im unentrinnbaren Würgegriff der apostolischen Krake: Im „Konkordat“ mit dem Vatikan wird der katholischen Kirche u. a. das Recht eingeräumt, auf Schulen, Hochschulen und Rundfunkanstalten Einfluss zu nehmen, und verpflichtet sich Niedersachsen u. a., „der Liebestätigkeit der katholischen Kirche den gesetzlichen Schutz zu gewähren“ (na, na, na!). Dies alles ist aber nur schmückendes Beiwerk für die zentrale Regelung, den eigentlichen Vertragszweck: Alljährlich genehmigen sich die Bischöfe ein bescheidenes Zubrot aus der Staatskasse - 8.756.000 € im Jahre des Herrn 2015. Tja, lieber IS, so macht man das heutzutage! Das ist doch viel eleganter als Menschenraub, Lösegelderpressung, Versklavung, Zwangsprostitution, Plünderung usw. (und weniger stressig). Nichts für ungut, aber manchmal merkt man eben, dass ihr 600 Jahre weniger im Geschäft seid: Da fehlt noch ein bisschen das Raffinement, die Weltläufigkeit.

Sein Namenspatron predigte nur den Vögeln, der heutige Franziskus (der von Berufs wegen mit Vögeln nichts am Kardinalshut hat) darf stattdessen den Vereinten Nationen die Ohren abnagen. Und keiner macht einen Pieps. Weshalb die Vertreter jener Staaten, in denen nicht das Christentum vorherrschende Religion ist, sich diesen Mumpitz bieten lassen, ist unbegreiflich. Vielleicht wird demnächst auch der Chef des Weltverbandes der Gänseblümchenzüchter in den UN daherschwadronieren. Oder Sepp Blatter.

Die Welt ist ein Dorf. Wie es sich für biedere Dörfler schickt, versammeln sich die Vereinten Nationen, um andächtig zu lauschen, wenn der Herr Pfarrer von der Kanzel herab seinen dummen, folgsamen Schäflein die Welt erklärt und ihnen die ewige Verdammnis verheißt, so sie nicht abstehen von ihrem frevelhaften Tun. Franziskus sollte gegenüber der Staatengemeinschaft den Ablasshandel wieder einführen - in Form mildtätiger Zuwendungen an das „Institut für religiöse Werke“ (vulgo Vatikanbank).

Daher mein wohlgemeinter Rat, lieber IS: Lasst den ganzen Terror, und bietet stattdessen Assad einen Deal an, von Abschaum zu Abschaum: Ihr lasst ihn in Ruhe, damit er sich mit ganzer Kraft darauf konzentrieren kann, sein eigenes Volk abzuschlachten. Dafür überträgt er euch einen schlappen halben Quadratkilometer Damaskus, worauf ihr das Heilige Sitzkissen gründet, und fortan begebt ihr euch auf den Marsch durch die Institutionen, erst Urbi, dann Orbi - des Papstes Segen ist euch sicher.

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Siehe auch:
Ratzfatz!

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(3.1.2016)